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Der erste Tag in der Welt der Klänge

Am Tag der Erstanpassung wird sich das Leben Ihres Kindes verändern. In der Regel findet die Erstanpassung zwei bis vier Wochen nach der Implantation statt und ist für alle Beteiligten ein ebenso aufregendes wie emotionales Erlebnis.

Kinder reagieren sehr unterschiedlich im Anpassungsprozess, je nach Alter, Hörerfahrung und Grad der Sprachentwicklung. Die neuen Klänge können auf ein Kleinkind beängstigend und verwirrend oder aber auch aufregend wirken. Mit der Zeit und viel Übung wird sich das Hör- und Sprechvermögen Ihres Kindes erheblich verbessern.

Wie Carson mit Surround Sound wächst und hört

“Für uns ist jeder Tag ein besonderer. Seit der Erstanpassung liebt Carson sein Cochlea-Implantat. Er legt es nie ab und will auch nicht ohne Raumklang hören. Er liebt es Musik zu hören und lesen zu lernen.”

—  Cindy R., Mutter von Carson, der im Alter von 12 Monaten bilateral implantiert wurde.

Was Ihr Kind an diesem großen Tag erwartet

Die Reise zum Hören ist zweifellos voller aufregender Momente. Die Erstanpassung wird ein bis vier Wochen nach der Implantation stattfinden. Die Zeit zwischen Operation und Erstanpassung fühlt sich vielleicht wie eine Ewigkeit an. In dieser Zeit kann jedoch die Operationsnarbe Ihres Kindes gründlich verheilen und Ihre Familie kann sich gleichzeitig auf den Neuanfang vorbereiten.

Da jedes Kind anders ist, sind auch die ersten Hörerfahrungen sehr unterschiedlich. Ziel der Erstanpassung wird es sein, eine angenehme Lautstärke für Ihr Kind zu finden, damit sein erstes Hörprogramm, seine erste "MAP", erstellt werden kann.

Was Ihr Kind direkt nach dem Anschalten seines Cochlea-Implantats hört, hängt von vielen Faktoren ab. Wie detailreich es hört, hängt von Folgendem ab:

  • Alter, in dem der Hörverlust einsetzte
  • Dauer des Hörverlustes
  • Alter bei der Implantation
  • Gesundheitszustand des Innenohrs
  • andere gesundheitliche Konditionen, die das Hörvermögen beeinflussen

Mit der Zeit und durch Übung wird Ihr Kind immer mehr Klangdetails wahrnehmen.

Ihr Kind und den Prozessor vorbereiten

Einige Kliniken bieten Informationsmaterial und Infopakete zur Vorbereitung auf die Erstanpassung an. Lesen Sie vor der Erstanpassung noch einmal alle Informationsunterlagen zum Soundprozessor Ihres Kindes gründlich durch. Je sicherer Sie in der Bedienung des Prozessors Ihres Kindes sind, desto besser wird es Tag für Tag hören können.

Sollten Sie vor oder während der Anpassung Fragen haben, wenden Sie sich bitte an den Advanced Bionics Service oder vereinbaren Sie einen Termin mit unserer AB-Kundenberatung im AB-Shop in Hannover.

Die „MAP“ für besseres Hören

Der Audiologe wird den Soundprozessor mit einer speziellen Software individuell an den Bedarf Ihres Kindes anpassen.  Ihr Kind wird bei diesem Prozess bereits anfangen zu hören. Manche Kinder sind in der Lage, dem Audiologen mitzuteilen, was sie hören und auch, wie laut oder wie hoch die gehörten Töne sind. Machen Sie sich jedoch keine Sorgen, wenn Ihr Kind dies nicht können sollte!
Ihr Audiologe ist darin geschult, die Reaktionen eines Kindes auf die Einwirkung von Klang zu beobachten und richtig zu interpretieren. Die AB-Software stellt Ihrem Audiologen darüber hinaus auch ein Tool zur Verfügung, mit welchem er die Reaktionen des Hörnervs messen kann.
Damit können die richtigen Einstellungen im Hörprogramm vorgenommen werden, auch wenn Ihr Kind sich nicht aktiv an der Anpassung beteiligen kann. Dieses erstellte Programm wird als sogenannte „MAP“ in den Prozessor überspielt.

Wie wird es sich anhören?

Kleine Kinder werden am Anfang vielleicht noch nicht in der Lage sein, Klänge zu verstehen und zuzuordnen. Sie reagieren möglicherweise sehr stark oder aber auch gar nicht auf das, was sie hören. Dabei ist es jedoch zweitrangig, wie sie reagieren. Die Tatsache, dass sie reagieren, ist der eigentliche Grund zum Feiern.

Wie das Hören immer besser wird

Bei der Reise zum Hören ist es hilfreich, sich immer wieder die drei Faktoren zu vergegenwärtigen, die für die Entwicklung des Gehörs entscheidend sind:

  • Zeit
  • Programmierung
  • Hörerfahrung

Bei Kleinkindern ist das Hör- und Sprechvermögen noch nicht richtig entwickelt. Weder Sprache noch das Wahrnehmen und Verstehen von Tönen kann über Nacht erlernt werden. Ein von Geburt an gehörloses zweijähriges Kind kann nur langsam lernen, dass bestimmte Töne Wörter bedeuten und diese wiederum eine Bedeutung haben. Das Lerntempo ist von Anwender zu Anwender verschieden.

 

Wie gut wird mein Kind hören?

Ihr Kind wird in den ersten Tagen, Wochen und Monaten mit dem Cochlea-Implantat unterschiedliche Klangwahrnehmungen erleben. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, der durch die Änderungen im Gehörsystem, d. h. der (erneuten) Versorgung des Gehirns und des Hörnervs mit Klängen, bedingt ist.

Ihr Kind wird einige Zeit und Übung brauchen, ehe es mit seinen Cochlea-Implantaten gut hören kann. Vergessen Sie nicht, dass es sich um einen Prozess handelt. Das Hörvermögen kann man nicht von einem Moment auf den anderen erlangen. Auch Ihr Kind wird das Hören mit viel Übung erlernen müssen - ebenso wie es normalhörende Kinder tun mussten. Sie können zusammen mit Ihrem Audiologen an der Habilitation arbeiten.


Wie Eltern helfen können

Bringen Sie das Lieblingsspielzeug Ihres Kindes zum ersten Anpassungstermin mit. Die Anpassung des Prozessors und das Erstellen des ersten Hörprogramms (MAP) dauern ungefähr eine halbe bis eine Stunde. Ihr Kind wird durch die Spielsachen nicht nur die Zeit leichter überbrücken sondern auch beschäftigt sein, solange der Audiologe die Ausrüstung und die Programmierung einrichtet. Bei diesem Termin sollten Sie dem Audiologen berichten, welche Reaktionen Ihres Kindes Sie beobachten konnten. Diese Informationen werden bei der Programmierung sehr hilfreich sein.


Wer bei der Erstanpassung dabei sein sollte

Wir empfehlen Ihnen, sich zum Termin der Erstanpassung von einer möglichst vertrauten Person begleiten zu lassen, am besten aus dem engsten Familien- oder Freundeskreis. Fragen Sie auch Ihren Audiologen, er kann Ihnen ggfs. eine geeignete Begleitperson vorschlagen.

In manchen Familien wünscht man sich möglichst zahlreich dabei zu sein, wenn das Kind die ersten Klänge in seinem Leben hört. Ein Kind kann jedoch während des Programmierungsprozesses relativ schnell überfordert oder eingeschüchtert werden. Beim ersten Anpassungstermin sollten daher nicht zu viele Personen mit anwesend sein.


Das System einrichten

Der Audiologe wird eine Anpassschnittstelle an den Prozessor des Kindes anschließen und den Überträger über sein Implantat anbringen. Die Sitzung beginnt mit verschiedenen Untersuchungen (z.B. des Hörnervs) und Softwaretests, damit sicher gestellt ist, dass alles in Ordnung und startbereit ist.
Neural Response Imaging (NRI) ist eine Methode, mit der man Informationen über den Hörnerv des Kindes erhalten und darüber hinaus die Messung elektrisch evozierter auditiver Aktionspotenziale vornehmen kann. Dieser Test findet in einer motivierenden Spielsituation in kindgerechter Umgebung statt.

Hörprogramme

Im Soundprozessor Ihres Kindes können jeweils drei bis fünf Hörprogramme gespeichert werden. Der Audiologe wird entweder gleich beim ersten Anpassungstermin ein bestimmtes Hörprogramm einsetzen oder aber in den folgenden Sitzungen verschiedene Hörprogramme ausprobieren. Er wird Ihnen erklären, welche Funktion jedes Hörprogramm hat, wann Sie welches nutzen und wie Sie sie miteinander vergleichen können. Beobachten Sie Ihr Kind und notieren Sie jede Änderung, die Sie in seinen Reaktionen auf verschiedene Klänge und Hörprogramme feststellen. In der ersten Zeit dürfen Sie allerdings nicht zu viel erwarten. Ihr Kind wird erst eine Weile brauchen, um sich an das Gerät zu gewöhnen. Der Audiologe oder der Hör-Sprachtherapeut Ihres Kindes zeigt Ihnen gerne, wie Sie die Reaktionen Ihres Kindes auf Klänge richtig beobachten können.


Lautstärke einstellen

Der Audiologe wird die Lautstärke langsam erhöhen und dabei die Reaktionen Ihres Kindes bewerten. Die ersten Töne können die verschiedensten Reaktionen hervorrufen, von Weinen und Lachen, einfachem Aufschauen, über Verwirrung bis hin zu völliger Nichtbeachtung. Da das Kind noch nicht mit Tönen vertraut ist, kann es gut sein, dass es am Anfang noch keine sichtbare Reaktion zeigt. In einem solchen Fall können Audiologen durch ihre spezielle Schulung Reaktionsmuster erkennen, die dem Laien nicht auffallen. Diese Schritte sind entscheidend für den Erfolg Ihres Kindes auf seiner Reise zum Hören.


Tonfrequenz und Lautstärke

Um die richtige Lautstärke in den verschiedenen Tonfrequenzen einzustellen, wird der Audiologe Ihr Kind bitten, die Lautstärke von zwei unterschiedlichen Tönen zu vergleichen und seine Eindrücke zu schildern (vorausgesetzt das Kind ist alt genug dazu). Dieser Vorgang wird für mehrere Töne wiederholt. Der Audiologe wird Ihrem Kind dabei helfen zu unterscheiden, dass sich die Lautstärke auf die Lautheit der Töne bezieht, während die Frequenz die Tonqualität widerspiegelt. Ein Ton mit einer niedrigen Frequenz, wie z.B. von einer Basstrommel oder einer männlichen Stimme, hört sich tiefer an. Ein Ton mit einer hohen Frequenz klingt wie ein Pfeifen oder eine weibliche Stimme. Die Lautstärke sollte jedoch auch bei unterschiedlichen Frequenzen stets gleich bleiben. Das klingt zunächst kompliziert, wird aber erfahrungsgemäß bei der Durchführung schnell klarer.


“Einige Tage nach der Erstellung der erste MAP von Sophie arbeitete mein Mann in unserer Garage. Sophie und ich saßen in unserem Wohnzimmer und lasen gerade ein Buch als sie plötzlich aufsprang, mich anschaute und 'Papa...Hammer' sagte. Dann rannte sie zu unserer Hintertür, von wo aus sie ihn in der Garage hämmern sehen konnte."



— Carrie D., Mutter von Sophie, die im Alter von 14 Monaten implantiert und im Alter von 2 Jahren beidseitig versorgt wurde.

 

Dinge, die Sie wissen sollten, bevor es los geht

Bevor Sie die Klinik und Ihren Audiologen verlassen, sollten Sie sicher verstanden haben, wie man den Prozessor und die Akkus des Cochlea-Implantatsystems richtig einsetzt und bedient. Sie können natürlich auch jederzeit die [Kurzanleitung] und die [Gebrauchsanweisung] konsultieren. Denken Sie daran, dass Ihr Kind es möglicherweise als unangenehm empfindet, mit dem Cochlea-Implantat zu hören. Trotzdem sollte der Soundprozessor in den meisten Wachstunden angeschaltet bleiben, denn jeder Moment ist für die Hör- und Sprachentwicklung Ihres Kindes wichtig. Einige Kinder schlafen sogar mit dem Prozessor.

Die nächsten Schritte auf der Reise Ihres Kindes

Der Audiologe Ihres Kindes wird Ihnen erklären, wie die nächsten Anpasssitzungen ablaufen werden. In der Regel werden in den ersten Monaten mehrere Anpasssitzungen nötig sein. Ihre Beobachtungen über die Reaktionen des Kindes sind sehr wichtig für den Audiologen. Er kann dadurch genauere Anpassungen und Bewertungen vornehmen und das Hörvermögen Ihres Kindes optimieren.

Vilen Dank das Sie sich an uns bei der Wahl einer möglichen Hörlösung wenden. Ein Mitarbeiter von Advanced Bionics wird sich zeitnah mit Ihnen in Verbidnung setzen!

Falls Sie eine dringende Frage haben und direkte Hilfe benötigen, wenden Sie sich bitte per Email an: service.de@AdvancedBionics.com.

Wir sind für Sie da, um Ihnen zu helfen

Die Bionic Ear Association (BEA) besteht aus einem engagierten Team von Freiwilligen, die Ihnen und Ihren Lieben mit Informationen, Weiterbildung und Unterstützung für die Auswahl, den Erhalten und das Leben mit Cochlea-Implantaten zur Verfügung stellen.


AB nimmt Ihre Privatsphäre sehr ernst. Wir werden Ihre personenbezogenen Daten niemals für Marketingzwecke an andere Unternehmen verkaufen oder weitergeben.

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Der Hörweg Ihres Kindes

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